4. TECHNISCHE KOMPONENTEN DER HSB

Heute wird der Schnellstreckenverkehr noch auf Rädern aufgebaut, in absehbarer Zeit können es schon "räderlose Fahrzeuge" sein, von Magneten gehalten oder von Luftkissen getragen. Seit langer Zeit arbeiten Wissenschaftler und Techniker erfolgreich auf diesem Gebiet um die technischen Voraussetzungen für hohe Geschwindigkeiten zu verbessern.

4.1 Aerodynamik

Die Aerodynamik befaßt sich mit dem Studium der Bewegungen von Gasen, besonders mit der Umströmung und Beeinflussung von Körpern in der Luft.

Außer bei Flugzeugen, unbemannten Flugkörpern, Trägerraketen, rückkehrbaren Raumfahrzeugen und Raumtransportern, spielt die Aerodynamik auch eine wichtige Rolle bei der Formgebung schneller Landfahrzeuge, wo geringer Widerstand und stabiles Verhalten des Fahrzeuges angestrebt werden.

Man unterscheidet verschiedene Strömungsformen. Bei der laminaren Strömung gleiten die Teilchen des Strömungsmediums in geordneter Bewegung sozusagen auf Stromlinien, bei extrem hohen Geschwindigkeiten entwickelt sich außerdem eine turbulente Strömung.

Bei geringen Geschwindigkeiten kann die Luft als unzusammendrückbar (inkompressibel) angesehen werden, so daß man für theoretische Untersuchungen die aus der hydrodynamik bekannten Strömungsgesetze zugrunde legen kann. Man spricht dann von inkompressibler, reibungsloser Strömung. Die Luft ist jedoch ein kompressibles Medium. Bei höheren Geschwindigkeiten, die sich der Schallgeschwindigkeit nähern, treten durch Kompression größere Dichteänderungen der strömenden Luft auf.

Bei einer Hochleistungs-Schnellbahn ist eine günstige aerodynamische ausgewogene Form von großer Wichtigkeit, beim Energieverbrauch, der die Luft als angesehen Untersuch- Geräuschentwicklung, und um ein stabiles Verhalten zu gewährleisten.

 

1) Quelle: Transportsysteme Heute und Morgen,

E. Bahlke, Krauskopf-Verlag 1973 Seite 87

 

4.2 Trag- und Führungssysteme

Bei Fahrgeschwindigkeiten von 500 km/h können konventionelle Adhäsionssysteme für das Tragen und Führen von trassengebundenen Fahrzeugen sinnvoll nicht mehr verwendet werden, d.h., daß sowohl die Abstützung des Fahrzeuges auf seine Bahn, als auch die Führung auf der Bahn berührungsfrei erfolgen muß.

Diese Wirkung wird erreicht durch Linearantrieb und die Bettung auf Luft- oder Magnetberühungsfrei

Diese Wirkung trieb und die Kissen.

4.2.1 Luftkissen

Unter Luftkissen versteht man den Effekt, der entsteht, wenn zwischen Fahrzeugboden und Fahrbahn eine Luftschicht ausreichenden Oberdrucks einströmt und dadurch ein Schwebezustand des Fahrzeuges erreicht wird.

Luftkissen eignen sich auch für die seitliche Führung von Fahrzeugen.

 

4.2.2 Luftkissenwirkung

Werden zwei Glasplatten aufeinander gelegt, so gleitet die obere Platte einige Sekunden auf der unteren, bis die Gleitluft abgeflossen ist und die Platten sich berühren (Bild 1). Wird die obere Platte in der Mitte durchbohrt und die Luft durch diese Öffnung eingeblasen - mittels eines Schlauches - dann wird ständiges Gleiten der oberen Fläche erzielt.

Zur Erzielung und Aufrechterhaltung eines Luftkissens ist somit eine ständige Luftzufuhr im Lagerspalt notwendig. Dabei kann der Anschluß direkt an dem zu lagernden Körper oder an der tragenden Fläche angebracht worden. Die Entscheidung für die eine oder andere Methode erfolgt entsprechend den an die Lagerung gestellten Anforderungen. Wird die Versorgungsdruckluft an das Untergestell eines Fahrzeuges angeschlossen, so erhält man ein Luftkissenfahrzeug.

4.2.3 Prinzip der Luftkissenfahrzeuge

Das Prinzip - Fahrzeuge und Geräte auf einem Kissen aus Luft oder Wasser gleiten zu lassen ist schon im Jahr 1864 bekannt geworden. Bereits 1919 gelang es in den USA den Start viermotoriger Flugzeuge von Luftkissengeräten aus durchzuführen. Dabei erreichten die Luftkissenfahrzeuge eine Geschwindigkeit von annähernd 90 km/h, eine Geschwindigkeit, die zum Abheben dieser Flugzeuge ausreichte.

Gegenüber Luftfahrzeugen stellt sich bei Luftkissenfahrzeugen eine schuberhöhende Wirkung des Bodeneffektes ein. Der Bodenabstand bedeutet dabei eine Gleichgewichtshöhe von Ein- und Ausstrom. Gegenüber bodenverhafteten Fahrzeugen, wie Rad- und Schienenfahrzeuge, treten leistungsvermindernde Effekte auf. Zwischen Rad und Schiene werden Tangential-, Vertikal- und Seitenkräfte übertragen, die mit den vom Fahrzeug resultierenden Kräften im Gleichgewicht stehend (Bild 2)

1) Quelle: Transportsysteme Heute und Morgen

E. Bahlke, Krauskopf-Verlag 1973 Seite 73

 

Bei spurkranzgeführten Fahrzeugen wird die Seitenstabilisierung bzw. die Spurhaltung durch den seitlichen Laufflächenwiderstand und den Spurkranzwiderstand wirksam. Spurkranzlose Fahrzeuge benötigen somit eine zusätzliche Spurführungs-Einrichtung, beispielsweise durch horizontal angeordnete Führungsradpaare. Diese werden zweckmäßigerweise nur an einer Schiene angebracht. Während zwischen Rad und Schiene nur unerhebliche elastische Verformungen auftreten, die den räumlichen Bewegungsablauf eines Schienenfahrzeuges wenig beeinflußen, stehen sich bei Schwebefahrzeugen ähnliche Stabilisierungsprobleme um die drei Bewegungsachsen, wie sie aus dem Flugzeugbau bekannt sind, ein.

Durch mechanische, gasdynamische und elektromagnetische Stabilisierungseinrichtungen können mit geringerem Aufwand als bei den Flugzeugen Rückstellkräfte erzeugt werden.

Grundsätzlich sind bei einem Bodenschwebefahrzeug folgende Kraftübertragungen und Stabilisierungsfunktionen zu berücksichtigen: Vortriebkraft (Tangentialkraft)

Schwebe- bzw. Hubkraft (vertikale Stützkraft)

Horizontale Führungskräfte (Spurführungskraft)

Querstabilisierungskräfte (Kippkräfte)

Längsstabilisierungskräfte (Neigungskräfte)

Ausgenommen der Schwebekraft, können alle anderen Kräfte entweder durch Reibkräfte und/oder auch durch gasdynamische bzw. elektromagnetische Wirkungseffekte erzielt werden. Die Verwendung der verschiedenartigen Komponenten gestattet eine Vielzahl von Schwebemodellen.

Anstelle einer Schiene kann als Fahrbahn auch ein breiter Fahrbalken, der ebenfalls in einfacher Weise die Stabilisierungskräfte übernehmen kann, vorgesehen werden.

In Anlehnung an das spurkranzlose Schienenfahrzeug wurde das Luftkissen-Spurfahrzeug als schienengeführtes radloses Gleit- oder Schlittenfahrzeug entwickelt. (Bild 3)

Die Abstützungs- und Führungskräfte werden durch einen dünnen Film hochgespannter Luft zwischen Schienenkopf und dem ihn umschliessenden Gleitschuh übernommen. Die Quer- und Längsstabilisierungskräfte werden bei diesem Spurfahrzeug zweckmäßigerweise durch gesteuerte gasdynamische Effekte bzw. Luftfederbalge zwischen Fahrzeug und Schiene aufgenommen.

Weit schwieriger ist die Erzielung ausreichender Stabilität bei Luftkissenfahrzeugen auf unebenem Boden. Die Hubkraft wird auch hier durch ein Druckluftpolster zwischen Fahrzeug und Boden erzielt. Das Stabilisierungsverhalten kann in Verbindung mit dem Vortriebsmechanismus durch konstruktive Maßnahmen wie Schwenken der Luftschrauben bzw. Verstellung der Ausstrahldüsen u.s.w. erfüllt werden.

Ein Luftkissenfahrzeug kann auch durch Sogwirkung in Schwebe gehalten und stabilisiert werden. (Bild 4)

Ein Gebläse, das die im Raum unterhalb der Platte befindliche Luft absaugt, bewirkt ein Anlieben des Absaugschachtes, so daß dessen Rand gegen die Platte gedruckt wird.

Eine weitere Luftkissenlagerung kann nach dem Prinzip der pneumatische Rinne (Bild4a) erzielt werden. Bei diesem Prinzip wird durch Ausströmung von Druckluft durch ein Bodengitter einer Druckbeaufschlagung unter dem Fahrzeug bewirkt. Der Gasfilm unter dem Fahrzeug reduziert in gleicherweise den Widerstand zwischen Fahrzeug und Fahrbahn. Die Vorwärtsbewegung des Fahrzeuges geschieht entweder durch die bereits genannten Antriebskomponenten oder auch durch Schwerkraft. Anstelle des am Fahrzeug erzeugten Luftdruckes kann man auch von der Gleitbahn aus eine Druckbeaufschlagung auf die Kabine erzeugen. Wenn nun der Druckluftaustritt unter einer Neigung zur Frontebene erfolgt, entsteht eine zusätzliche Vortriebskomponente.

Die grundsätzliche Frage die sich stellt, wenn vom Einsatz der Luftkissenfahrzeuge gesprochen wird, ist die der Wirtschaftlichkeit. Eine einfache Methode bei der Ermittlung der Wirtschaftlichkeit einer Fahrzeugart ist die Bestimmung des Wirkungsgrades einer Art verglichen mit anderen Arten, ausgedruckt in kg Treibstoffverbrauch, der zum Transport einer Tonne Nutzlast über eine Strecke von einem Kilometer im Schnitt benötigt wird. (Tabelle 4)

1) Quelle: Transportsysteme Heute und Morgen,

E. Bahlke, Krauskopf-Verlag 1973 Seite 79

 

Automatisch enthält die Definition des Fahrzeugwirkungsgrades den jeweiligen Stand von Triebwerks-Entwicklung, Fahrzeugkonstruktion, sowie Nutzlast- und Geschwindigkeitsänderungen.

4.2.4 Magnetkissen

Obwohl die Magnettechnik noch nicht den Entwicklungsstand der Luftkissentechnik erreicht hat, erhofft man sich von mit Magnetsystemen ausgerüsteten Schnellbahnen mehr Erfolg als mit Luftkissenfahrzeugen, da wesentlich weniger Energie erforderlich ist. Ferner werden mit der Magnetwirkung die sonst bei Luftkissenbahnen auftretenden Geräusch- und Staubentwicklungen vermieden bis auf solche Effekte, die durch den Staudruck und den Antrieb auftreten. In der Bundesrepublik werden beide Systeme erprobt. Die Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm in Ottobrunn bei München hat im Frühjahr 1971 die erste Magnetkissen-Versuchsbahn in Betrieb genommen. Dicht gefolgt von Krauss-Maffei, München-Allach die im Herbst eine ein Kilometer lange Versuchsstrecke, sowohl für Magnetkissen als auch für Luftkissen einweihten.

4.2.5 Magnetkissenwirkung

Die magnetischen Kraftlinien eines stromdurchflossenen Leiters verlaufen als konzentrische Kreise um den Stromleiter in zu dem Leiter senkrechten Spule zeigt ten wie ein Ebenen. (Bild 5) Eine durchflossene Spule zeigt die gleichen magnetischen Eigenschaften wie ein Stabmagnet. (Bild 5a).

Wenn ein stromdurchflossener Leiter von einem magnetischen Kraftfeld umgeben ist und damit Kraftwirkungen auf Magnetpole ausübt, so ist umgekehrt zu erwarten, daß auch magnetische Felder Kraftwirkungen auf stromdurchflossene Leiter ausüben. (Bild 5b)

 

Bild 5b

 

Findet eine Bewegung des stromdurchflossenen Leiters in Kraftrichtung statt, so ist die verrichtete Arbeit gleich dem Produkt aus der Stromstärke und dem Zuwachs des umrandeten magnetischen Flusses.

Ein frei beweglicher stromführender Leiter ändert solange seine Lage, als mit der Bewegung eine Flußänderung verbunden ist. Die Haftkraft eines Magneten (Bild 5c)

 

 

Bild 5c

 

hängt von dem an den Polflächen auftretenden magnetischen Kraftfluß und von der magnetischen Induktion ab.

Durch die Veränderung der anliegenden Spannung wird die Haftkraft eines Magneten beeinflußt.

4.2.6 Prinzip des magnetischen Schwebezustandes

Wenn ein Magnet über einen Stromleiter bewegt wird werden Ströme induziert, die in entgegengesetzter Richtung der Magnetbewegung fließen. Die Größe und Richtung der Ströme hängt von der Stärke des Magnets ab, von der geometrischen Form, der relativen Geschwindigkeit und dem Leistungsvermögen.

Bild 6

Das Magnetflußmodell (Bild 6) zeigt in Analogie zum elektrischen Strom das gleiche Prinzip, als wenn ein gleichpoliger Magnet anstelle der Stromleiter gesetzt wird und eine gleiche magnetische Abstoßung erzeugt. Besitzt die Stützfläche ein unendlich hohes Leistungsvermögen gibt es keine Verluste und ebenso keine Kräfte in parallel Richtung zur Ebene. Es ist der gleiche Effekt, als ob der gedachte Magnet von dem oberhalb angeordneten Magneten nach vorne verschoben wird.

4.2.7 Anordnung der Trag- und Führungselemente

Die magnetischen Trag- und Führungselemente haben bei Schwebefahrzeugen die gleichen Aufgaben wie die Luftkissensysteme zu übernehmen. Und zwar Erzeugung und Stabilisierung der Schwebekraft und damit seitliche Spurführung, Abstandhaltung zwischen Fahrbahn und Schiene und Quer- und Längsstabilisierung. Demnach lassen sich für Magnetkissenfahrzeuge drei Hauptsysteme verwenden. 1)

(Bild 7a-c)

 

 

 

1) Quelle: Bahnsysteme mit berührungsfreier Fahrtechnik

W. Muckli, ZEV - Glasers Annalen 1976

Heft 4

 

Analog zum Luftkissensystem läßt sich das Magnetfeldsystem grundsätzlich auf zwei Weisen realisieren.

Einmal kann die "abstoßende Wirkung" zweier gleichnamiger Magnetpole zur Bildung eines "Druckmagnetkissens" und damit zur berührungsfreien Führung eines Fahrzeuges ausgenutzt werden. Zum anderen läßt sich die "anziehende Wirkung" zur Anhebung und Führung des Fahrzeuges einsetzten.

Das erste Verfahren erfordert neben den am Fahrzeug installierten Elektromagneten eine entgegengesetzte Magnetpolung der Trag- und Führungsschiene. Dazu müßte die gesamte Fahrstrecke mit Elektromagneten ausgestattet sein, die zumindest im Augenblick des darüber hinweg Gleitens eingeschaltet werden müßten. Der Vorteil dieses Systems liegt darin, daß die abstoßende Kraft mit abnehmendem Abstand zwischen Schiene und Fahrzeug automatisch zunimmt, sich also gewissermaßen selbst regelt.

4.2.8 Elektromagnetisches System

Das zweite System erfordert keine Streckenmagnete, dafür aber eine komplizierte Regeltechnik. Die am Fahrzeug angebrachten Elektromagnete werden unterhalb der eisernen Tragschiene geführt und heben das Fahrzeug bei Einschalten des Spulenstroms an , da sich der Abstand zwischen Schiene und Fahrzeug hierdurch verringert und sich die magnetische Kraft somit automatisch verstärkt. Würde der Wagen einmal angehoben bei konstantem Spulenstrom, würde er sofort gegen die Schienen gepreßt. Eine aufwendige Regelelektronik muß daher dafür sorgen, daß der Magnetstrom ständig den "ertasteten Abstand" zwischen Schiene und Fahrzeug entsprechend beibehält. Was den elektrischen Leistungsaufwand für die Schwebeführung betrifft, so ist er für Hochgeschwindigkeiten geringer als der, den eine Räderführung benötigen würde.

4.2.9 Elektrodynamisches System

Bei diesem System trägt ein sogenanntes Vielektrodynamisches Fahrzeug" an den beiden Seiten eine Reihe von Dauermagneten, deren Polarität in der Folge wechselt.

Den Supramagnetreihen liegen entsprechende Spulenreihen ortsfest in Fahrgleis auf der ganzen Strecke gegenüber. Die gegenseitigem Abstoßkräfte zwischen den in den Spulen induzierten Strömen und den Supermagnetfeldern heben während der Fahrbewegung das Fahrzeug in Schwebestellung und stabilisieren es auch in Seitenrichtung. Die bei Supermagneten erreichbare hohe Magnetfeldstärke ermöglicht eine Schwebehöhe zwischen l00 und 150 mm. Die Bodenschleifen erfordern dabei keine äußere Stromzuführung. Auch in der Bundesrepublik wird die Supraleitertechnik verstärkt mit der Magnetschwebetechnik in Verbindung gebracht.

4.2.l0 Permanentmagnetisches System

Diese Lösung mit Dauermagneten verlangt Fahrschienen aus monoton gepolten Dauermagneten, die das Fahrzeug mit den daran angebrachten, ebenso gepolten Dauermagneten durch Abstoßkräfte in die Schwebelage heben.

Diese Schwebeführung zeichnet sich dadurch aus, daß sie weder Leistung noch Regelung erfordert. Jedoch wird der Vortriebswiderstand, der geschwindigkeitsabhängig ist, größer, insbesondere bei kleineren Geschwindigkeiten Mit steigender Geschwindigkeit nimmt er ab. Allerdings ist diese Art von Schwebezustand labil; dieser muß seitlich stabilisiert werden, entweder mit elektromagnetischen Führungssystemen oder mit mechanischen Stütz- bzw. Führungsrollen.

Eine stabile magnetische Lagerung nach mehreren Koordinaten mit Hilfe von Permanentmagneten ist nicht möglich. Sofern die Dauermagnete verbilligt werden können, hat auch dieses System, zumindest für die Stadtfahrzeuge mit geringeren Höchstgeschwindigkeiten, berechtigte Aussicht auf Verwendbarkeit.

4.2.11 Trivalente Schwebesysteme

d.h., Kombination der drei vorgenannten Schwebesysteme. Die Kombination der mechanischen, pneumatischen Systeme können auch in Verbindung mit Not- bzw. Führungs- und Bremssystemen eingesetzt werden.

4.2.12 Magnetisches Schweben und Stabilisieren eines Zuges durch Supraleiter-Stützung

Kühlt man ein Metall ab, so wird der elektrische Widerstand immer geringer. Er nähert sich bei sehr tiefen Temperaturen einem festen Wert, dem sogenannten Restwiderstand. Bei weiterer Absenkung der Temperatur verschwindet in manchen Leitern - innerhalb eines sehr kleinen Temperaturintervalls - dieser Restwiderstand.

Das Metall wird ideal leitend.

Dieses Phänomen, das im Jahre 1911 der niederländische Physiker H. Kamerlingh-Onnes entdeckte, nennt man Supraleitung.

Diese besonders leistungsfähigen Magneten können bei sparsamen Energieverbrauch mit supraleitenden Magnetspulen erzeugt werden, da bei dem bei Tiefsttemperaturen in vielen Metallen einsetzenden Supraleitzustand alle Energieverluste wegfallen, die unter normalen Bedingungen durch den elektrischen Leistungswiderstand entstehen.

Als Kühlmittel kann zum Beispiel flüssiges Helium bei einer Temperatur von etwa minus 269 Grad Celsius verwendet werden.

4.2.13 Charakteristische Merkmale einer magnetischen Stützung

Der Vorteil von elektromagnet gestützten bzw. supraleitenden Schwebesystemen liegt in der Kombination des Schwebeeffektes mit dem Vortrieb. Beispielsweise haben die gleichen supraleitenden Gleisschleifen, die den Zug anheben und stabilisieren, eine gegenseitige Beeinflußung durch Wechselströme, die in Hilfsschleifen induziert werden, und den Zug antreiben. Dabei braucht kein Strom erzeugt oder zugeleitet werden. Außerdem können mehrere Gleise gleichzeitig gespeist werden, so daß die Transformationskosten sehr niedrig gehalten werden können.

Bei der Supraleiterstützung werden für das Anheben und den Vortrieb gleiche Schleifen verwendet, dagegen müssen bei den elektromagnetischen Systemen die Hubmagnete von den Antriebsmagneten getrennt sein.

Erforderliche Bedingungen einer magnetischen Stützung:

1. Stabilisierung aller Bewegungen

2. Genügende Spaltenbreite zwischen Fahrbahn und Schwebefahrzeug

3. Abstützung des Zuges auch bei geringer Geschwindigkeit

4. Sicherer Schwebezustand und Möglichkeit einer zusätzlichen Stabilisierung

5. Weiche Federung

6. Schwingungsdämpfend

7. Synchronischer magnetischer Antrieb

8. Aufladung der Supraleiter in Bahnhöfen

4. 3 Antrieb

4.3.1 Prinzip des linearen Induktionsmotors

In den früheren Versuchsfahrzeugen für Hochgeschwindigkeitsbahnen wurden als Antrieb außer .der Luftschraube auch Strahltriebwerke und bei den Rekordfahrten zusätzlich Raketenmotoren verwendet. Aus Gründen des Umweltschutzes sind solche Antriebsarten für den späteren Linienverkehr in besiedelten Gebieten sicherlich ungeeignet.

Die neue elektrische Antriebsart die von allen Ländern angewendet wird, in denen Versuche mit Hochgeschwindigkeits-Bahnen durchgeführt werden (Bundesrepublik Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich, Japan und UDSSR), ist ein linearer Induktionsmotor. 1)

Diese Antriebsart ist, wie das Trag- und Führungssystem, berührungsfrei.

Magnetische Kräfte bewirken, daß sich das im Fahrzeug eingebaute Induktionsteil geradlinig entlang einer Metallschiene bewegt.

1) Quelle: Bild der Wissenschaft, Jahrgang 1971

Heft 6 Seite 572

 

Zwischen den beiden Motorteilen, dem Induktor und der Sekundärschiene ist ein Luftspalt von , einigen Millimetern vorhanden. Der große Vorteil dieses Antriebs mit linearen Induktionsmotoren ist die völlige Geräuschlosigkeit. Außerdem wird die Umwelt bei diesem System nicht durch giftige Abgase belästigte

l) Quelle: Eisenbahntechnik Rundschau, Hestra-Verlag

Darmstadt, Heft 3 1976 Seite 155 - 160

 

4.3.2 Vier Grundarten des linearen Antriebs

Grundsätzlich müssen beim Linearmotorsystem vier Antriebsformen unterschieden werden.

1. asynchrone Kurz-Ständer-Maschine (Bild 9a) Der Indukator befindet sich am Fahrzeug, das Sekundärteil ist ruhend und erstreckt sich entlang der Strecke. Die Magnetisierung wird durch die Drehstromwicklung erzeugt.

2. synchrone Kurz-Ständer-Maschine (Bild 9b) Der Induktor befindet sich am Fahrzeug, das Sekundärteil ist ruhend. Die Magnetisierung des Luftspaltes wird nicht von der Ständerwicklung erzeugt, sondern entweder durch eine zusätzliche Erregerwicklung oder permanent.

3. asynchrone Kurz-Läufer-Maschine (Bild 9c) Bei diesem Motor befindet sich die Reaktionsschiene ("Läufer") am Fahrzeug, die Primärteile sind in bestimmten Abständen an der Strecke verteilt. Auch hier wird wie bei 1 vom Induktor (Primärteil) ein Wanderfeld erzeugt, das mit dem induzierten Wirbelstrom eine Reaktionskraft bildet.

4. synchrone Kurz-Läufer-Maschine (Bild 9d) Die bauliche Anordnung geschieht wie bei der asynchronen Kurz-Läufer-Maschine, die physikalischen Vorgänge sind wie unter 2 beschrieben.

 

4.4 Stromübertragung

Die Energieübertragung zu den Bodenfahrzeugen kann nach folgenden Gliederungspunkten erfolgen:

1. Der Stromübergang vom Fahrdraht auf den Stromabnehmer als rein elektrischer Vorgang.

2. Das mechanische Verhalten von Fahrleitung und Stromabnehmer bei sehr hohen Geschwindigkeiten.

Versuche der jüngsten Zeit haben eine Funktionstüchtigkeit der Stromabnehmer bis zu 280 km/h ergeben.

In Deutschland werden zwei Richtungen der Energieversorgung für Schnellverkehrssysteme verfolgt. So löst Messerschmitt-Bölkow-Blohm die Energieversorgung bei hohen Geschwindigkeiten berührungfrei durch einen gesteuerten Lichtbogen. Krauss-Maffei vertritt dagegen die Ansicht, daß diese Art der Stromübertragung in absehbarer Zeit nicht ökonomisch eingesetzt werden kann.

1) Quelle: Bild der Wissenschaft, Jahrgang 1971
Heft 6 Seite 570

 

Man entwickelt daher ein kontaktbehaftetes System, bei dem der bewegte Stromabnehmer schinngungstechnisch als ein eigenes Fahrzeug behandelt wird; seine Masse ist von der des Fahrzeugs weitgehend entkoppelt.

Die Versorgung der Fahrzeuge mit elektrischer Energie birgt bei Hochleistungsfahrzeugen besondere Schwierigkeiten. So ist z.B. bei der Entwicklung des Stromrichters von Bedeutung, ob auf dem Fahrzeug Drehstrom oder Gleichstrom zur Verfügung gestellt werden kann und ob z.B. die Energie ständig unterbrechungsfrei zugeführt bzw. im Hinblick auf das Bremsenl ständig abgegeben werden kann. Gerade Asynchronmotoren weisen einen erheblich größeren Blindleistungsbedarf auf. Bei der synchronen Bauform wird dagegen die Magnetisierungsleistung über einer gesonderten Stelle erzeugt.

Zur Versorgung des Stellgliedes kann von Gleich-, Wechsel- oder Drehspannung ausgegangen werden. In allen diesen Fällen kann mit Umrichtern, die Gleichstromzwischenkreise benötigen, gearbeitet werden. Dagegen können Direktumrichter eingesetzt werden, wenn lückenlose Drehspannung genügend hoher Frequenz zur Verfügung steht.

Die Drehspannung wird über ein Stromschienensystem und entsprechenden Stromabnehmern dem Fahrzeugtransformator zugeführt, dort in einem Gleichrichter gleichgerichtet und mit Hilfe eines elektronischen Frequenzenumformers dann wieder in eine Drehspannung verwandelt, deren Frequenz an die Fahrgeschwindigkeit und die Belange des Linearmotors angepaßt ist. Die Schwierigkeiten bei der Dreiphasenstromzuführung bestehen insbesondere bei hohen Spannungen und Geschwindigkeiten: 1)

 

a) Bei hohen Fahrgeschwindigkeiten bis 500 km/h sind an die Fahrleistung und die Stromabnahme besondere Anforderungen zu stellen. Das System ermöglicht die Frequenzsteuerung.

 

1) Quelle: Transportsysteme Heute und Morgen,

E. Bahlke, Krauskopf-Verlag 1973 Seite 98

 

b) Die Umformung von Einphasenwechselstrom auf dem Fahrzeug in Dreiphasenwechselstrom, damit ein- oder dreiphasige Stromschienen.

 

c) Erzeugen des Dreiphasenstromes auf dem Fahrzeug durch Dieselantrieb.

Die Entwicklung von Energieübertragungssystemen mit Fahrleitungen für Einphasen-Wechselstrom und für Gleichstrom ist für die Geschwindigkeiten bis 210 km/h im praktischen Fahrbetrieb gediehen.

 

Für sehr hohe Geschwindigkeiten über 400 km/h scheint die Energieübertragung mittels Stromschienen Vorteile gegenüber der Verwendung von Fahrleitungen zu Haben. Das Problem wird erschwert durch die Notwendigkeit, mindestens zwei, besser drei Zuleitungen für die Energieübertragung auf das Fahrzeug verwenden zu müssen, wenn die Stromrückleitung durch die Fahrschienen entfällt.

Prinzipiell kann elektrische Energie sowohl mit Horizontalanordnungen als auch kontaktlos von der Strecke auf das Fahrzeug übertragen werden. Die kontaktlosen Lösungen scheiden zur Zeit noch aus, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Energieübertragung mit elektrischen Feldern, kal)azitiv ohne Lichtbogen

Ein Luftkondensator von 1,mF Kapazität hat eine Fläche von ca. 10.000 qm bei einem Elektrodenabstand von 1 cm. Bei 50 kV Betriebsspannung und der Netzfrequenz 50 Hz ist er günstigstenfalls in der Lage, eine Leistung von 350 kVA zu übertragen. Abgesehen von der Unmöglichkeit, die Ausbildung des Lichtbogens zu verhindern, ist diese große Fläche niemals auf oder neben dem Fahrzeug aufzubringen, und die Leistung ist entschieden zu klein, um ein Hochgeschwindigkeitsfahrzeug zu betreiben.

2 . Energieübertragung mittels magnetischer Felder

Die direkte Energieübertragung durch transformatorische Ankopplung einer um das Fahrzeug gelegten Sekundärspule mit möglichst großer umschlossener Fläche an nacheinander überfahrene Primärspulen ergibt einen eisenlosen Luftransformator mit mindestens 95 Streuspannung, der nur 5% der zugeführten Primär-Scheinleistung als Nutzleistung auf das Fahrzeug bringt.

3. Energieübertragung durch einen vom Fahrzeug mitgeführten Lichtbogen

Besonders zu beachten ist hierbei die Tatsache, daß der Lichtbogen mit Luft von ca. 100 m/s fremdbeblasen ist und seine Brennspannung wegen der durch den Fahrtwind bewirkten Kühlung erhöht wird. Zudem ist bei einem Hochstrombogen ein erhöhter Elektrodenabbrand zu erwarten, auch muß eine Zündmöglichkeit ohne Anlegen des Stromabnehmers bei hohen Geschwindigkeiten gegeben sein. Bei solchen Lichtbögen wurde eine Erhöhung der Brennspannung von 30 auf 70 V gemessen, wenn der Lichtbogen unbewegt ist bzw. mit 70 m/s bewegt wird. Eine starke Erhöhung darüber hinaus ist mit Sicherheit bei noch höheren Geschwindigkeiten zu erwarten. Damit einher geht ein erhöhter Elektroden- und Fahrdrahtverschleiß, der bei l00 A mit 3-5 x 10- 2 g/s, also auf mindestens l00 g/h, in Rechnung zu stellen ist. Bei größeren Strömen als 500 A muß vermutlich mit einer wesentlich höheren Abbrandrate gerechnet werden.

Eine Zündung des Bogens bei stehendem und langsam fahrendem Fahrzeug bietet keine Schwierigkeiten, da der Abnehmer an den Fahrdraht angelegt werden kann. Bei schnellfahrendem Zug werden die Bogen unterhalb eines kritischen Stromes abreißen. Dann muß die Möglichkeit einer Zündung ohne Anlegen des Abnehmers gegeben sein.

Ob ein Gleichstromlichtbogen bei einer Geschwindigkeit von v l00 m/s stabiler brennt als ein Wechselstromlichtbogen und als Grundlage für ein betriebssicheres System der Energieübertragung verwendet werden kann, wird bezweifelt. Die Abbrandraten werden wahrscheinlich noch höher sein als vorher beschrieben, da der zu übertragende Gleichstrom ein Vielfaches des Stromes bei Wechselstromeinspeisung ist. Wegen der Notwendigkeit, die Gleichspannung abschalten zu können, ist 6 kV die Obergrenze der Spannung, die verwendet werden kann.

Besondere Beachtung verdienen die Störungen der Umwelt durch das Geräusch des Lichtbogens und die Störung des Funkverkehrs in der Umgebung. Diese beiden Störquellen sind vom Prinzip her mit der Existenz des Lichtbogens verbunden und können nicht vermieden werden. herzu tritt noch die erhöhte Wahrscheinlichkeit der Störung des Signalsystems.

Bei der Stromschienenanordnung messen die Horizontal- und Vertikalbewegungen des Fahrzeuges berücksichtigt werden, gleichzeitig sind die baulichen und betrieblichen Gesichtspunkte, wie Lage und Ausbildung der Weichen, örtliche Streckenführung usw. zu integrieren. In Bild l0 sind einige Beispiele möglicher Anordnung von Stromschienen skizziert.

 

1) Quelle: Vergleiche mit ETR-Eisenbahn-

technische Rundschau - Heft 3/1976weihnachtsmarkt

 

· Seite 160, Hestra-Verlag Darmstadt

 

4.5 Geschwindigkeitsregelung

Zur Überwindung des Losreißwiderstandes bzw. auch Anfahrwiderstandes muß eine hohe Anfahrzugkraft erreicht werden. Die Schiene kann hierbei als das Äquivalent eines Läufers mit hohen Widerstand betrachtet werden, so daß die Anzugskräfte hoch sind. Sie werden nur begrenzt durch die für die Wicklung maximal zulässige Strombelastung. Auf die Rotorenerwärmung muß Rücksicht genommen werden, auch wenn die erwärmte Schiene ständig verlassen wird. Das Bremsen kann durch Schalten auf niedrige Geschwindigkeitsstufe erreicht werden. Es handelt sich also um asynchrones Bremsen, bei dem die Maschine als Bremsgenerator arbeitet. Auf diese Weise kann das Fahrzeug bis auf die kleinste Geschwindigkeitsstufe abgebremst werden. Die restliche Bewegungsenergie wird durch mechanisch wirkende Bremsen oder Umkehren der Feldrichtung des Linearmotors abgebremst. Die Geschwindigkeitsänderung von Linearmotoren kann vorwiegend durch unterschiedliche Prinzipien gelöst werden, die sich unter Verwendung von Thyristorstellgliedern verwirklichen lassen.

 

4.6 Sicherheitsfragen

Bei zukünftigen Verkehrsmitteln muß die Sicherheit eine überragende und für alle Gebiete übergeordnete Bedeutung erreichen, d.h. die Unfallquote mußte bei einer neuen Hochgeschwindigkeitsbahn unterhalb der konventionellen Verkehrsmittel liegen. (Tabelle 2)

Je nach Konstruktion der lebenswichtigen Elemente wird man die Sicherheit eines Transport-

 

 

Jahrgang:

Eisenbahn-

Straßen-

Luft-

   

Verkehr:

Verkehr:

Verkehr:

Unfallstatistik:1)

1973

1402

353725

148

Pkw/Flugzeug/

1974

1190

331000

137

 

1975

l033

337732

159

Bahn/Bus

1976

l082

359696

180

 

Tabelle 5

 

 

systems entscheidend beeinflussen können. Dies hängt in erster Linie von folgenden Einflußgrößen ab:

- Lastabstützung

- Spurführung

- Stabilisierung in Quer- und Längsachse

- Vortrieb

- Federung

- Bremsung und Notabstützung

- Notsystem

 

1) Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Verkehrs-

unfälle nach Verkehrszweigen Stand: Juli 1977

Bei hohen Geschwindigkeiten, wo Luftwiderstand und Antrieb die Vortriebskraft und Stabilisierung des Fahrzeuges wesentlich beeinflussen, müssen die Sicherheitsfragen der einzelnen Komponenten eingehend untersucht werden.

So sind bei den Schwebefahrzeugen besonders die Auftrieb- und Seitenwindkräfte, Druck- und Sogwirkungen am Bug und Heck des Fahrzeuges zu berücksichtigen.

Bei den meisten Schnellbahnsystemen können diese aerodynamischen Kräfte, die das Fahrzeugeigengewicht übersteigen, nicht mehr oder nur mit großem Aufwand aufgefangen werden. Daran kann beispielsweise ein ganzes System scheitern oder durch eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit im Einsatz begrenzt werden.

Von großem Vorteil ist hier eine frei pendelnde Aufhängung des Fahrzeuges. So können die Wagen bei Kurvenfahrten ausschwenken, wobei der Winkel der Ausschwenkung von der Geschwindigkeit der Schnellbahn abhängt.

Die berührungslosen Schwebesysteme müssen bei Ausfall des Stützsystems wie Rad/Schiene, Luft bzw. Magnetkissenstützung, eine zuverlässige Notgleit- und Bremseinrichtung aufweisen.

 

4.7 Notsysteme

Die Entwicklung des Notsystems fährt zunächst über das Hauptsystem wie:

a) Sofortige Notbremsung bei partiellem Versagen des Hauptsystems (Einsatzbereitschaft nach etwa 1/10 s)

 

b) Schnelle Notbremsung bei unvorhergesehener Beschädigung oder Belegung, wie Vereisung und Verschmutzung der Trasse bzw. anderweitige Notsituationen trotz funktionsfähigem Hauptsystem

 

c) Bei Haltestellen (Bahnhof oder freie Strecke)

Abstütz- und Bremsvorrichtungen, wenn Hauptsystem abgeschaltet wird.

 

Die Nebenaufgaben eines solchen Notsystems liegen in:

a) Nach Benutzung der Notgleiteinrichtung muß das Notsystem auch weiterhin funktionsfähig sein, zumindest für reduzierte Geschwindigkeit auf kurzen Strecken

 

b) Möglichkeit der Ausschleusung auf Nebentrassen mit Hilfe von einem Notantrieb

 

Die Notsysteme gliedern sich somit in:

Systeme mit berührungslosen und berührenden Komponenten (Magnetschwebesystem)

- Systeme mit gasdynamischer Gleitung und Bremsung (Luftkissensystem)

- Radlauf- und Radbremssysteme

- mechanische Kufensysteme

Jede der Systemkomponente hat einen bevorzugten Geschwindigkeitsbereich:

1. Gasdynamische Gleitung bis 500 km/11

2. Elektromagnetische Gleitung bis 500 km/h

(Akku-Kontensator)

3. Füssigkeits- Gleitbremsung bis 250 km/h

4. Aerodynamische Bremsung bis 250 km/h

5. Radbremsung bis 200 km/h

6. Gleitkufenbremsung als Notbremsung bis 500 km/h

Die einzelnen Notsysteme können nebeneinander oder auch hintereinander in Funktion treten. Der Funktionsablauf wird durch ein rechnergestütztes Pegelsystem abgewickelt, so daß je nach Fahrverhalten, Geschwindigkeit und Störquelleneinfluß ein bestimmtes Programm die Notsysteme schaltet.

 

4.8 Verkehrssystem - Steuerung

4.8.1 Rendezvous-Technik

Die Jahrzehnte langen Bemühungen, die Reisegeschwindigkeit durch Erhöhung der Spitzengeschwindigkeit und durch Verkürzung der Beschleunigungs- und Bremswege (größere Antriebskräfte und bessere Bremsen) zu erhöhen, können jetzt durch zusätzliche Anwendung der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) zu wesentlich leistungsfähigeren Betriebsverfahren führen.

Die grundsätzliche Idee, die Reisegeschwindigkeit durch Eliminierung der Zeitverluste auf den zahlreichen Zwischenhaltestellen der Spitzengeschwindigkeit anzunähern, entstand bereits vor Jahrzehnten. Realisieren läßt sich diese Idee allerdings erst heute, wobei die konventionellen Methoden der Signal- und Sicherungstechnik nicht ausreichen und die zwischenhaltlosen Betriebsarten deshalb von konservativen Eisenbahnern vielfach mit Skepsis betrachtet werden. Die bisher nur in der Theorie bestehenden Betriebsarten beruhen in allen Fällen auf einem einfachen Prinzip: 1)er Zug fährt mit voller Dienstgeschwindigkeit auf allen an seiner Fahrstrecke liegenden Bahnhöfen ohne halt durch, so daß seine Reisegeschwindigkeit fast der Spitzengeschwindigkeit entspricht, da nur einmal beschleunigt und abgebremst wird.

Das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste an Zwischenstationen wird dadurch möglich, dass besondere, auf jeder Station bereitstehende Triebwagen mit den zusteigenden Fahrgästen auf die Geschwindigkeit des durchfahrenden Zuges gebracht und an diesen stoßfrei gekuppelt werden. Zum Verlassen des Zuges wird ein Wagen mit den Fahrgästen, die aussteigen wollen, so rechtzeitig vom Zug gelöst, daß er selbständig in die nächste Haltestelle einfahren und dort Halten kann.

4.8.2 Regelsystem eines Transportvorganges

Die modernen Transportsysteme messen in der Gesamtheit - Mensch-Maschine-System - in denen die menschlichen und technischen Faktoren mit hoher Geschwindigkeit und Präzision zusammenwirken, gesehen werden, tun bei geforderter Leistung eine ausreichende Zuverlässigkeit bei noch vertretbarer Wirtschaftlichkeit zu erreichen.

Die Steigerung der Geschwindigkeit und Leistung, wird jedoch oft mit einer Überforderung des Transportmittelfahrers erkauft. Die menschlichen Leistungsreserven werden geschmälert, inbesondere infolge der Kompliziertheit der Steuerungs- und Überwachungsorgane.

4.8.3 Automatisches Transportsystem

In der Transporttechnik treten instationäre und stationäre Transportabläufe auf, durch mittelbare od6r unmittelbare Rückkopplungen zwischen Ausgangs- und Eingangsgrüßen, gesteuert mit dem Ziel, eine möglichst große Stabilität des Transportvorganges und hohen Transportleistungen zu erreichen.

In Bild 11 ist das Schema der offenen Wirkungskette skizziert. In diesem Fall wird der Transportvorgang über ein Programm mechanisch geregelt. Auftretende Störquellen werden hierbei noch mechanisch ausgeglichene)

 

Bild 11

Transportsysteme Heute und Morgen,

E. Bahlke, Krauskopf-Verlag 1973 Seite l06

 

In I wird das Programm eingegeben, das aber einen Informationswandler II die Steuerorgane III regelt, die wiederum die mechanische Operation des Transportmittels infolge Energiezufuhr ermöglichen.

In Bild 12 werden neben dein mechanischen Transportprozess die Störquellen, die von den Meßeinrichtungen aufgenommen werden, automatisch verarbeitet. Der mechanische Transportprozess I wird gesteuert über die Meßeinrichtung II, den Wandler der Meßsignale III, der Verarbeitung der vom Prozess kommenden Information in Steuersignale IV zur Wandlung der Steuersignale in mechanische Steueroperation V.

Mit Bild 13 wird das Grundprinzip einer Fahrzeugsteuerung gezeigt. Bei diesem System ist das Ziel durch Leitliniensteuerung vorbestimmt der Fahrer kann wahlweise in die Steuerung eingreifen.

Das in Bild 14 dargestellte System erhält eine Zielinformation, beispielsweise eine optische oder magnetische Kodeadresse, die gemeinsam mit dem Fahrzeug den Transportweg durchläuft. Beim Ablesen vor der Station wird auf elektrischemWege die Kodenummer durch einen Computer verglichen und bei Übereinstimmung ein elektrisches Signal ausgelöst.

Das Signal erregt ein Relais, wodurch entweder eine Weiche oder eine Bremseinrichtung ausgelöst wird.

 

4.8.4 Abstandsregelung und Überwachung

Die Voraussetzung für das Steuern des Transportablaufes ist eine bestimmte Abstandshaltung der Fahrzeuge entsprechend ihrer Geschwindigkeiten.

Die Abstandsregelung von Fahrzeugen gegeneinander ist eines der Hauptprobleme eines jeden Transportsystems, da von ihr folgende Einflußgrößen bestimmt werden:

Tansportleistung

Sicherheit

Stabilität der Transportschlange

Entsprechend der Meß- bzw. Signalverfahren können drei Methoden zur Anwendung kommen:

1. Bildung der Ortskoordinatendifferenz

2. Messung der Laufzeit eines Signals zwischen den Fahrzeugen.

3. Messung der Dämpfung eines von den vor- bzw. nachlaufenden Fahrzeugen ausgesandten Signal.

 

Deshalb wird man zunächst bestrebt sein. lebenswichtige Teilfunktionen zu automatisieren, um die Zuverlässigkeit und Leistungssteigerung gegenüber den rein manuellen zu erhöhen. Dabei muß die Forderung erfüllt sein, daß durch Eingreifen des Fahrers Fehler im System vermieden werden können. Die zunehmende Ausschaltung der menschlichen Überwachungskontrolle aus dem eigentlichen Regelkreis erschwert jedoch ein rechtzeitiges Eingreifen in Notfällen bei technischen Störungen. Diese technische Kompliziertheit muß durch eine verbesserte elektronische Steuerung, automatische bzw. halbautomatische Zentralüberwachungsanlage und Monitore kompenziert werden.

Es gibt genügend ausgereifte Bausteine für solche Regelsysteme der Transporttechnik, die sich zum Regeln von Transportmitteln bzw. Systeme in stark vermaschten Netzwerken eignen.

Signalumformer und Trennwandler bereiten le direkt oder indirekt erfaßten , zum Regeln von Transportvorgängen erforderlichen Größen auf. In der Zentraleinheit werden die analogen regelungstechnischen Größen bestimmten mathematischen Operationen unterworfen und digitale Signale ausgewertet. Unabhängig von der Automatik können die erforderlichen Funktionseinheiten von Hand bedient werden.

 

4.9 Internationaler Entwicklungsstand

der einzelnen Schnellbahnmodelle

 

1) Quelle: Bahnsysteme mit berührungsfreier Fahrtechnik,

W. Muckli, ZEV - Glasers Annalen 1976

Heft 1 Seite 2

 

 

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